Ich trauere um Johanna Dohnal. Ich habe erst unlängst mit Johanna Dohnal noch eine gemeinsame Pressekonferenz gegeben. Sie war kämpferisch und entschlossen wir immer. Mit ihrem Ableben geht eine Ära zu Ende.
Johanna Dohnal war nicht nur die größte (manche sagen: die einzige) Frauenministerin, die Österreich je hatte. Sie hat die österreichische Geschichte der Frauenbewegung wie keine andere geprägt. Sie blieb immer Frauenpolitikerin, eine „Ikone“ der Frauenbewegung – auch nach ihrem Abschied aus der aktiven Politik. Trotz der zahlreichen Anfeindungen und – nicht erst in späten Jahren – Enttäuschungen, hat sie nie aufgegeben und blieb ihren zwei Herzensanliegen, dem Kampf um Rechte und Eigenständigkeit der Frauen sowie dem Antifaschismus, immer treu.
Ich hatte als junge Frau das persönliche Glück, mit ihr eine Zeit lang zusammen arbeiten zu dürfen – als ihre Europareferentin im Ministerinnenbüro. Ich spüre nicht nur Trauer sondern tiefe Dankbarkeit, auch für den Mut, die sie neuen Frauengenerationen mitgegeben hat.
Was vielen jungen Frauen heute selbstverständlich ist – Johanna Dohnal hat es erkämpft: von ihrem Einfluss auf die Familienrechtsreform der 70er Jahre (bis 1978 war der Mann gesetzlich das Oberhaupt der Familie und die Frau zu Hausarbeit, Kindererziehung und Beischlaf verpflichtet) über die Fristenregelung bis zur Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe. Vom Gleichbehandlungspaket über Kinderbetreuungseinrichtungen bis zur Diskussion über Frauenquoten. Johanna Dohnal hat vielen von uns Wege in ein selbstbestimmtes Leben geebnet.
Mein tiefes Mitgefühl gilt ihrer erst kürzlich auch formal angetrauten Lebensgefährtin Annemarie Aufreiter, sowie Ihrer Tochter Ingrid und den Enkelkindern.